POLIZEIORDNUNG VON 1926

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Polizeiliche Betriebsordnung für den Flughafen Chemnitz

A. Landverkehr.

§ 1.
Das Betreten und Befahren des Flughafens sowie das Reiten auf demselben ist Unbefugten verboten. Zuschauer dürfen sich nur auf den zugewiesenen Ausstellungsplätzen aufhalten. Für Fluggäste gelten die Beförderungsbestimmungen für Luftverkehrsunternehmen.

§ 2.
Kraftfahrzeuge und andere Fahrzeuge dürfen sich nur an den zugewiesenen Halteplätzen aufhalten.

§ 3.
Hunde sind an kurzer Leine zu führen.

B. Flugzeughallen und Tankanlagen.

§ 4.
Die Flugzeughallen unterliegen der Bestimmung des Baupolizeiamtes Chemnitz vom 01.09.1925, Bau des Flughafens betr. Das Betreten der Flugzeughallen ist nur mit besonderer Genehmigung der Luftverkehrsunternehmen und nur in Begleitung eines Angehörigen derselben oder der Flugwache gestattet. Es ist verboten, in den Flugzeughallen und in der Nähe der Tankanlagen zu rauchen, unverwahrtes Feuer und andere künstliche Leuchtmittel, als elektrische Glühlampen, mit Überglocken zu benutzen, sowie brennende Streichhölzer im Bereich des Flughafens fortzuwerfen.

§ 5.
In den Hallen, Werkstatt- und Lagerräumen müssen Handfeuerlöscher und Sandeimer betriebsfertig bereitstehen. Die Inhaber der betr. Räume sind hierfür verantwortlich. Sie sind verpflichtet, allen behördlichen Weisungen bezüglich Beschaffung und Erhaltung von Feuerlöschgeräten zu folgen.

§ 6.
Brennstoffe dürfen in den Schuppen, Werkstätten und Büros nicht aufbewahrt werden, mit Ausnahme der in den Flugzeugtanks befindlichen Mengen. Unter jedem Motor, welcher betriebsfertig in ein Flugzeug eingebaut ist, muß eine genügend große Blechwanne zum Auffangen von abtropfenden Betriebsstoffen aufgestellt werden. Umfüllen und Mischen von Betriebsstoffen muß außerhalb der Flugzeughallen erfolgen. Ausnahmen können von der Polizei-Flugwache zugelassen werden. In diesem Falle müssen jedoch die Hallentore vollständig geöffnet sein. Abfälle dürfen nur an den dazu bestimmten Stellen abgelagert werden.

§ 7.
In den Flugzeughallen dürfen nur Kraftwagen der Luftverkehrsunternehmen untergestellt werden.

C. Luftverkehr.

1. Allgemeines.

§ 8.
Der Luftverkehr untersteht hinsichtlich Ordnung und Sicherheit sowie des Signaldienstes der Polizei-Flugwache Chemnitz. Sämtliche Besitzer von Luftfahrzeugen im Flughafen Chemnitz übernehmen für sich und alle zu ihrem Betrieb gehörigen Personen die Verpflichtung, die Luftfahrtgesetze des Deutschen Reichs und die luftfahrtpolizeilichen Bestimmung zu befolgen. Jeder beabsichtigte Abflug ist vorher rechtzeitig der Flugwache zu melden, desgleichen jede bevorstehende Landung eines von außerhalb zu erwartenden Flugzeuges.

§ 9.
Der Motor eines Flugzeuges darf nur laufen, wenn sich im Führersitz Bedienung befindet.

§ 10.
Als Standplatz für Flugzeuge darf nur der Platz unmittelbar vor der zugewiesenen Halle oder der vorher von der Flugwache im Einvernehmen mit der Flugleitung festgesetzte Plan in Anspruch genommen werden.

§ 11.
Von Schülern geführte Flugzeuge sind durch zwei rote Flaggen an den Tragdeckenden kenntlich zu machen.

§ 12.
Das Abrollen von der Halle und das Abbremsen der Flugzeugmotoren hat stets so zu erfolgen, daß der Luftstrom die Halle und die Standplätze der anderen Flugzeuge nicht trifft.

§ 13.
Bei regem Flugbetrieb wird durch einen Beamten der Polizei-Flugwache mittels einer weißen Flagge die jedesmalige Abflugerlaubnis gegeben. Ohne diese Erlaubnis ist dem Flugzeugführer ein Abflug untersagt. Beim Abfliegen ist vom Nachbarflugzeug stets eine Mindestentfernung von 40 m innezuhalten.

§ 14.
Das Hochziehen eines roten Balles bedeutet Abflugsverbot.

§ 15.
Während der hellen Tagesstunden wird als Kennzeichen der um Aufsetzen der Flugzeuge geeigneten Stelle ein weißes Landekreuz (bei Schnee ein rotes) in T-Form ausgelegt, dessen Lage je nach der Windrichtung geändert wird. Zur Kennzeichnung der Landerichtung werden beim Landen eines Flugzeuges je nach Bedarf Rauchpatronen abgeschossen. Außerdem zeigt der auf der Flugzeughalle befindliche Windsack die jeweilige Windrichtung an.

§ 16.
Die Landung hat möglichst in Nähe des Landekreuzes zu erfolgen. Nach der Landung haben die Flugzeuge sofort die Landebahn freizumachen und so nach dem Abflugplatz bzw. nach der Halle zu rollen, daß abfliegende Flugzeuge nicht behindert werden. Ausnahmen werden durch die Polizei-Flugwache besonders angeordnet.

§ 17.
Die eigene Verpflichtung des Flugzeugführers, selbst zu entscheiden, ob ein Abflug oder eine Landung ohne Gefahr möglich ist, wird durch vorstehende Bestimmungen nicht berührt.

2. Flugregeln.

§ 18.
Ein Überfliegen der Bauwerke des Flughafens in geringerem Abstand als 20 m ist verboten.

§ 19.
Flugzeuge müssen stets ausweichen: Fesselballonen, Fallschirmen, Freiballonen und Lenkluftschiffen. Lenkluftschiffe müssen ausweichen: Fesselballonen, Fallschirmen und Freiballonen.

§ 20.
Bei Kunstflügen ist bis auf weiteres eine Höhe von mindestens 400m einzuhalten. Kunstflüge mit mehrsitzigen Verkehrsflugzeugen sind untersagt.

3. Landungen.

§ 21.
Setzen zwei Flugzeuge gleichzeitig zur Landung an und ist nur Landebahn für ein Flugzeug vorhanden, so hat das tiefer befindliche das Vorrecht. In jedem Falle ist vom Nachbarflugzeug eine Mindestentfernung von 60 m einzuhalten.

§ 22.
Ein Flugzeug, welches eine Landung beabsichtigt und die Landebahn aus irgendeinem Grunde nicht frei vorfindet, muß über den Flugplatz linksherum kreisen. Bleibt ein Flugzeug infolge Versagens des Motors auf der Abflug- oder Landebahn stehen, so ist es unverzüglich von dort wegzubringen.

§ 23.
Ein Luftfahrzeug, das während der Nacht zu landen beabsichtigt, muß vor der Landung einen grünen Feuerwerkskörper abschießen oder mit Unterbrechung mit einem grünen Licht blinken. Die Landeerlaubnis wird vom Boden durch Abschießen grüner Feuerwerkskörper oder Abgabe von Blinksignalen mit einer grünen Lampe erteilt. Ein vom Boden abgeschossener roter Feuerwerkskörper oder Blinksignale mit rotem Licht bedeuten, daß ein Luftfahrzeug nicht landen darf.

§ 24.
Ein Luftfahrzeug, das während der Nacht zum Landen gezwungen ist, hat vor der Landung einen roten Feuerwerkskörper abzuschießen oder mit seinen Navigationslichtern eine Reihe kurze und unterbrochene Signale zu geben.

§ 25.
Um ein Luftfahrzeug zum Landen zu veranlassen, werden folgende Zeichen verwendet:
a) bei Tage drei mit etwa 10 Sekunden Zeitabstand abgefeuerte Signalschüsse, die bei ihrer Explosion eine schwarze oder gelbe Rauchwolke entwickeln;

b) bei Nacht drei mit etwa 10 Sekunden Zeitabstand abgefeuerte Signalschüsse, die bei ihrer Explosion grüne Leuchtzeichen oder Sterne entwickeln. Wenn es außerdem nötig ist, die Landung eines anderen Luftfahrzeuges zu verhindern, als des gemeinten, wird auf letzteres ein unterbrechender Lichtschein gerichtet.

§ 26.
Zur Kenntlichmachung des Landeplatzes bei Nacht werden zwei weiße und eine rote Leuchtfackel in Dreiecksform gesetzt. Dabei ist durch die beiden weißen Fackeln auf die rote Fackel zu zu landen. Die rote Fackel bedeutet äußerte Grenze des Ausrollens.

D. Strafbestimmungen.

§ 27.
Sofern nicht nach allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, werden Übertretungen dieser Verordnung mit Geldstrafe bis zu 150 RM. oder mit Haft bis zu 14 Tagen bestraft.

E. Schlußbestimmungen.

Die Verordnung tritt am 1. Juli 1926 in Kraft.


Chemnitz, den 25. Juni 1926

Das Polizeipräsidium

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